Durch unsere Zustimmung für den Aufstellungsbeschluss zum „Gewerbegebiet an der Bundesstraße 3 – Teilabschnitt1“ zwischen der BAB 5 und der B 3 haben wir in der Gemeinderatssitzung vom 13.5.2025 den Startschuss zur Entwicklung eines Gewerbegebietes auf unsere Gemarkung gesetzt.
Viele Informationen zu dem Thema gingen nun bereits durch die Presse. Das Thema hat uns intern über einen langen Zeitraum beschäftigt und wir haben über Monate Chancen, Risiken und Möglichkeiten abgewogen. Wir möchten deshalb hier unsere Haltung und Meinung zu dem Vorhaben kundtun.
Im zweiten Halbjahr 2024 wurden erste Informationen über die Möglichkeit der Ansiedlung eines modernen Logistikers im Rat geteilt. Die vorgesehene Fläche, die jahrzehntelang durch Ausbaggerung und Auskiesung ein wildes und unwirkliches Bild abgegeben hatte, war in den letzten Jahren wieder aufgefüllt und aufgeforstet worden. Oft waren wir als Gemeinderat vor Ort, um uns ein Bild von der Wiederbewaldung zu machen. Die Forstverwaltung wies bei diesen Begehungen immer wieder auf Rückschläge bei der Bepflanzung hin. Auch in unserem kleinen Kreis der Fraktion war das Projekt nicht unumstritten und die Risiken und mögliche Probleme, die diese Ansiedlung mit sich bringt, war häufig Gegenstand fraktionsinterner Diskussionen.
Wesentlich für unsere Abwägung war das Wesen des Waldes. Bei dem betreffenden Waldstück handelt es sich nicht um einen 50- oder gar 100-jährigen Wald, der als Lebensraum für heimische Tierarten und als Naherholungsgebiet für die Bietigheimer Bürgerinnen und Bürger eine zentrale Rolle spielt. Vielmehr ist die dortige Aufforstung als Versuchsfläche genutzt worden, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich einzelne Baumarten unter den sich ändernden klimatischen Gegebenheiten entwickeln.
Aus diesem Grund scheint uns die vorgesehene Fläche für solch ein Vorhaben geeignet. Wir können aber garantieren, dass wir der Thematik „Wald und Natur“ im Bebauungsplanverfahren größte Aufmerksamkeit schenken werden und dass der Umwandlung von anderen geeigneten Flächen in Wald oder der Aufwertung des Bestandswaldes große Bedeutung zukommen werden. Wenn es auf der Projektfläche tatsächlich gelungen ist, klimaresistente Baumarten zu identifizieren, dann können diese in den Bestandswald integriert werden und der Aufwertung des vorhandenen Waldes dienen.
Auch das Thema Verkehr wird im B-Plan Verfahren eine große Rolle spielen. Wir sind uns bewusst, dass das Verkehrsaufkommen auf der B3 aktuell durch die vielen ansässigen Logistikunternehmen in unserer direkten Nachbarschaft bereits sehr hoch ist. Daher verstehen wir die derzeitigen Diskussionen zu dem Thema gut. Allerdings halten wir den gezielten Fingerzeig auf dieses Vorhaben für nicht gerechtfertigt und nicht unbedingt aufrichtig. Sie können sich sicher sein, dass ein moderner Versandhändler und Logistikrevolutionär wie Amazon schon aus Eigeninteresse höchste Priorität darauf legt, dass seine Flotte nicht im Stau steht und Zeit und Geld auf der Straße verschenkt. Aus diesem Grund haben die Amazon-Bauplaner die Verkehrsaufkommen und Verkehrsflüsse speziell an den Knotenpunkten bereits sehr sorgfältig analysiert und ein Konzept für die getaktete Lenkung der Verkehrsströme vorgelegt. Wir werden darauf achten, dass im Rahmen des B-Plan Verfahrens weitere kritische Verkehrsaspekte im Detail untersucht und abgewogen werden.
Alles im allem stehen wir als Gemeinderatsfraktion dem Vorhaben sehr positiv, wenn auch nicht unkritisch, gegenüber. Wir sehen die Skepsis einzelner Bürgerinnen und Bürger auch als Chance, das Vorhaben noch besser und verträglicher für alle zu gestallten. Auch wir selbst halten die fortschreitende Versieglung von Flächen für kritisch und schauen bei jedem neuen Vorhaben entsprechend genau hin. Beim aktuellen Projekt überwiegen zum jetzigen Zeitpunkt des Verfahrens die Vorteile für die Gemeinde und ihre Bürgerinnen und Bürger bei weitem. Und das nicht nur wegen der Erlöse aus dem Verkauf der Grundfläche, sondern auch bei den nachhaltigen Themen wie Schaffung einer Vielzahl von Arbeitsplätzen, Steuern und Abgaben, dem Umlageschlüssel bei Zuweisungen im Finanzwesen, der Steigerung der Qualität als Wohnort, der Verbesserung der Infrastruktur und der höheren Attraktivität der Gemeinde Bietigheim.
Gerne möchten wir mit Ihnen im sachlichen Dialog über die geplante Ansiedlung sprechen, um möglichst die gesamte Bandbreite der Meinungen, Argumente und Standpunkte der Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde zu erfahren. Wenden Sie sich gerne direkt an uns über fraktion@spd-bietigheim.de, kommen Sie zu einem unserer Mittwochstreffs oder sprechen Sie uns persönlich an.
Ihre Bietigheimer SPD-Gemeinderatsfraktion
