Antwort auf die Forderung an den KVV

Veröffentlicht am 05.01.2022 in Ortsverein

Liebe Bietigheimerinnen und Bietigheimer,

zunächst ein gutes neues Jahr für Sie alle.


Nachstehend finden Sie die Antwort des Geschäftsführers des KVV, Dr. Alexander Pischon auf die von der SPD-Bietigheim verfasste Resolution gegen die Abschaffung von nicht entwerteten Fahrscheinen. Leider stellt der KVV klar, dass Kostenoptimierung wichtiger ist, als allen Bürgerinnen und Bürgern ein niederschwelliges Angebot zur Verfügung zu stellen. Die SPD-Bietigheim ist weiterhin der Meinung, dass das Abschaffen von nicht entwerteten Fahrscheinen ein Fehler ist und dass die Nutzung des ÖPNV für alle möglichst einfach sein sollte.

 

Hier die Antwort des KVV in vollem Wortlaut:

 

Abschaffung Blockfahrscheine und Entwerter


Sehr geehrter Herr MacInally,
ich komme zurück auf Ihre E-Mail vom 10.12.2021.


Bereits im Jahr 2019 wurde vom Aufsichtsrat beschlossen, alle zu entwertenden Fahrkarten abzuschaffen. Die erneute Beschlussfassung zur Abschaffung der 4er-Karte erfolgte in der Sitzung am 26.04.2021, indem die Umsetzung aller strukturellen Tarifmaßnahmen zum 01.08.2021 beschlossen wurde.


In dieser Sitzung wurden aber eben nicht nur die Abschaffung der 4er-Karte beschlossen, sondern im Gegenzug auch die deutliche Preisreduktion der Tageskarten in den Preisstufen City und Regio auf den Preis von zwei Einzelfahrkarten, um so gerade auch Kunden der ehemaligen 4er-Karte die Möglichkeit zu bieten, ihre Hin- und Rückfahrt zu einem sehr günstigen Preis durchzuführen und zusätzlich noch spontane Fahrten auf den Hin- und Rückwegen und am Zwischenziel zu ermöglichen. Somit konnten wir die Komplexität für die Gelegenheitskunden im Sinne der Tarifstrukturreform auf nur zwei Produktgruppen reduzieren, nämlich die Einzelfahrkarte für den Kunden, der nur einen Weg fahren möchte, und die Tageskarten für Kunden, die einen zusätzlichen Mobilitätsbedarf in Form von Hin- und Rückfahrt oder sogar darüber hinaus haben. Zudem möchte ich betonen, dass die Verkehrsunternehmen im KW ständig an der Optimierung des zuverlässigen stationären Vertriebs arbeiten. So wurden in den letzten Wochen an allen Haltepunkten im SPNV flächendeckend neue Automaten aufgestellt.


Der KVV bietet neben dem Fahrkartenerwerb über das Smartphone seinen Kunden über den Webshop des KVV die Möglichkeit, bequem zu Hause an ihrem PC ihre Tages- und Monatskarte zu kaufen und auszudrucken. Es besteht weiterhin jederzeit die Möglichkeit, Fahrkarten in der Verkaufsstelle, an einem Fahrkartenautomat mit Vordatierung oder direkt beim Einstieg in den Bus beim Busfahrer bei Fahrantritt zu erwerben. In den Tram-Bahnen der VBK und in den Fahrzeugen der Linien S1, S11 und S2 ist ein Fahrscheinkauf ebenfalls weiterhin möglich. Darüber hinaus werden ergänzend zum bisherigen Angebot in unserer App "regiomove" ab 12.12.2021 die neuen Tarifmodelle "KW.luftlinie" und die bereits in der Presse oft erwähnte ,,KW.homezone" zu kaufen sein. Während die "KW.homezone" eher Zeitkarteninhaber, also Dauernutzer des ÖPNV anspricht, besteht mit dem Tarifmodell "KW.luftlinie" für diejenigen Nutzer ein preislich sehr attraktives Angebot zur Verfügung, die den ÖPNV nicht täglich nutzen.


Mit dieser Entscheidung einher geht die Abschaffung der Entwerter. Das Entwerten der Tickets in den Bussen und Bahnen im Verbundgebiet ist dann nicht mehr notwendig. Was bei vielen Mobilitätsanbietern im Nah- und Fernverkehr sowie in Großteilen des KVV bereits schon länger gängige Praxis ist, wird nun vollständig umgesetzt. Letztmalig wurden am 11. Dezember 2021 unentwertete Fahrscheine ausgegeben. Für diese Fahrscheine gilt dann, wie bisher nach jedem Tarifwechsel, eine Aufbrauchsfrist von sechs Monaten bis zum 11. Juni 2022. Danach verlieren diese Fahrscheine, wie gewohnt, ihre Gültigkeit. Nicht entwertete Tickets können dann noch bis zum 31.12.2022 in den KVV-Kundenzentren umgetauscht werden. Sobald die sechsmonatige Aufbrauchfrist für die alten Fahrscheine im nächsten Frühjahr verstrichen ist, werden sukzessive alle Entwerter aus den Fahrzeugen aller Verkehrsunternehmen im KVV ausgebaut. Ab dem 1. Juli 2022 wird es dann bei allen Verkehrsunternehmen im KVV keine Entwerter mehr in den Bussen und Bahnen geben.


Der Abschied von den Entwertern spiegelt auch das sich ändernde Kundenverhalten wieder. Die Zahl der Einzelfahrscheine, die in Papierform gekauft werden und bislang noch abgestempelt werden müssen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Neben der großen Anzahl an Zeitkarten-Kunden, die ihre Karten gar nicht abstempeln müssen, kaufen sich immer mehr Fahrgäste die Einzeltickets digital über unsere Apps, die dort dann schon entwertet sind. So wurden die Entwerter in den Fahrzeugen immer weniger genutzt. Zudem sind viele Entwerter am Ende ihrer Lebensdauer angekommen und die veraltete Technik sehr wartungsintensiv. Oder sie werden oft durch Vandalismus beschädigt. Deshalb macht es auch betriebswirtschaftlich Sinn, die Apparate nun zum Sommer 2022 auszubauen. An den KVV werden im Zuge der Digitalisierung und durch den Wandel in der Gesellschaft neue Anforderungen gestellt. Wir sind uns bewusst, dass dies auch Veränderungen für die Fahrgäste mit sich bringt, sind aber auch der Ansicht, dass wir als Management den Auftrag haben, immer wieder alles infrage zu stellen und auch mal Gewohnheiten zu verändern, um schlussendlich Neues zulassen zu können.


Sehr geehrter Herr Maclnally, ich kann verstehen, dass grundlegende Neuerungen zuerst einmal Verunsicherung bei vereinzelten Fahrgästen hervorrufen. Sobald aber beim Ticketerwerb unter den neuen Bedingungen bei den Fahrgästen eine gewisse Routine eingetreten ist, wird sich diese Praxis ebenfalls als Gewohnheit etablieren. Auch in den Großstädten Hamburg und Frankfurt sowie den sie einschließenden Verkehrsverbünden ist es seit Jahren Standard, bereits entwertete Fahrscheine zu kaufen. Und auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, im VPE (Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis) ist es seit mehr als 25 Jahren "normal", dass man bereits entwertete Fahrscheine erwerben kann. Alle Kunden dort, egal ob jung oder alt, Tourist oder mobilitätseingeschränkter Fahrgast, können problemlos ihre erforderliche Mobilität mit den dafür vorgesehenen Fahrscheinen abdecken.


Es ist mir bewusst, dass dafür im KVV noch eine gewisse Eingewöhnungszeit notwendig sein wird. Auch sind wir davon überzeugt, dass für alle Kunden ein attraktives Tarifangebot verfügbar ist. Unser Kundenservice unter lobundtadel@kvv.karlsruhe.de hat für alle Kunden immer ein offenes Ohr und wird im Einzelfall Anliegen bei Problemen beim Fahrscheinkauf prüfen und nach einer kulanten Lösung für unsere Kunden suchen. Es würde mich freuen, wenn unsere Fahrgäste unsere neuen Tarifoptionen zunächst einmal ausprobieren würden und wir Sie von ihrem Nutzen überzeugen könnten. Eine Rücknahme des Aufsichtsratsbeschlusses kann ich Ihnen nicht in Aussicht stellen und bitte für die getroffene Entscheidung um Verständnis.


Mit freundlichen Grüßen
Karlsruher Verkehrsverbund GmbH (KVV)
 
Dr. Alexander Pischon
Geschäftsführer

 
 

Landtag

Jonas Nicolas Weber
Jonas Nicolas Weber

 

 

 

Bundestag

Gabriele Katzmarek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Login